Bochum, Samstag den 6. Juni 1903

Märkischer Sprecher.

Bochumer Zeitung

Zum 12. westf. Feuerwehr-Verbandsfest

In unserer Stadt herrscht Festesfreude. Tannengrün und Eichenlaub schmücken die Häuser, lustig wehen, vom Frühlingswinde bewegt, bunte Wimpel und flatternde Fahnen in den Straßen; reichgeschmückte Ehrenpforten begrüßen an den Stadtzugängen die auswärtigen Teilnehmer. Erwartungsvoll sieht jedermann dem festlichen Theile des Verbandstages, der heute mit Berathungen der Delegierten seinen Anfang nimmt, entgegen. Schon zweimal, 1879 und 1888, ist Bochum die Stätte des Verbandsfestes der Freiwilligen Feuerwehren gewesen; zweimal haben die Wehrmänner aus der Nachbarschaft und weiteren Ferne Bochumer Gastfreundschaft genossen, und beidemale war der Verlauf ein großartiger, die Vergnügungskommissionen haben sich damals ausgezeichnet bewährt und allem Anscheine nach wird sich das heurige Fest seinen Vorgängern als drittes im Bunde würdig anschließen.

Als am 14. September 1862 die hiesige Freiwillige wehr aus dem Bochumer Turnverein als “Turnerfeuerwehr” gegründet wurde, da glaubte, wie wir den Ausführungen der Festschrift entnehmen, mancher Außenstehende nicht recht an die Lebensfähigkeit des 98 Mitglieder zählenden Vereins, dem sich von allen Seiten unerwartete und lästige Hindernisse in den Weg stellten. Auch die städtische Verwaltung und die damals noch bestehende Bürgerfeuerwehr hegten Mißtrauen und Vorurtheile, die ein rüstiges Vorwärtsschreiten der einmal begonnenen Sache zu hindern imstande gewesen wären, wenn nicht ein feuriger, unternehmungslustiger Geist die Mitglieder zum Aushalten und Vordringen angespornt hätte. Die Anschaffung der Geräte erforderte - ein neues Hindernis - große Summen die der Verein aus eigenen Mitteln nicht zu erschwingen vermochte. Doch brach sich das Gute Bahn; gleich im Anfange wurden der Wehr von der Bochumer Gasanstalt, vom Bochumer Verein für Gußstahl-fabrikation, von sieben bedeutenden Versicherungsanstalten und aus dem Ertrage der Kollekten Geldgeschenke von insgesamt 1437 Thalern, 10 Sgr. 3 Pfg. zugewendet. In zielbewußter Arbeit suchte der Vorstand die Löschgeräte zu vermehren und zu verbessern, ebenso wurde eifrig auf eine tüchtige Ausbildung der Mannschaft gesehen. Nach dem Amtsantritt des Bürgermeisters Prüfer am 24. Jan. 1874 besserte sich das Verhältnis der städtischen Behörden zur Feuerwehr. Das neue Stadtoberhaupt widmete dem Feuerlöschwesen seine ganze Aufmerksamkeit, was auch darin zum Ausdruck kam, dass der Magistrat der Bewilligung von 4500 Mk. zur Errichtung eines Steigerthurmes auf dem Moltkemarkt zustimmte. Die erste große Probe an dem neuen Thurme wurde beim Verbandsfest im Mai 1879 abgelegt., zu dem nicht weniger als annähernd 6000 auswärtige Wehrleute erschienen waren, und die den Beweis für eine außerordentliche Schulung und Ausbildung der Mannschaften erbrachte.

Während der ganzen Zeit ihres Bestehens ist die Wehr mit Interesse und Eifer der stetig fortschreitenden Vervollkommnung der feuertechnischen Geräthe gefolgt und sie hat keine Gelegenheit vorübergehen lassen, sich weiterzubilden und den wechselnden Verhältnissen anzupassen.

Den Beweis dafür konnte sie bis Ende 1902 in der Hülfe bei 168 Bränden in und außerhalb der Stadt erbringen. Die hohe Leistungsfähigkeit der Wehr und die Erhaltung des frischen, patriotischen Geistes, der ihre Reihen von jeher durchweht hat, ist in erster Linie dem rastlosen Eifer des Begründers und langjährigen Vorsitzenden, des verstorbenen Fabrikbesitzers Wilhelm Mummenhoff, zu verdanken.

Unermüdlich war Herr Mummenhoff für die hiesige Wehr thätig; um das Feuerlöschwesen Westfalens und Rheinlands hat sich der Verstorbene große Verdienste erworben. Für sein segensreiches Wirken ist ihm allgemeine Anerkennung über das Grab hinaus zu Theil geworden. Zum ehrenden Andenken Mummenhoffs wurden seit 1898 von den westfälischen Verbandswehren bisher 4600 Mk. gesammelt, welche Summe nach Anwachsen auf 10 000 Mk. als Mummenhoff=Stiftung verwandt werden soll. Nach dem Ableben Mummenhoffs übernahm am 7. Dezember 1897 der langjährige stellvertretende Vorsitzende Herr Wilhelm Velten als Chef die Wehr, die er noch heute im Geiste seines Vorgängers weiterführt. Er ist sei 1863 Mitglied und seit 1877 Führer der Spritzenabtheilung. Von den Gründern gehört nur noch ein einziges Mitglied der Wehr an: Herr Gustav Adolf Fricke, der seit 1869 Führer der Spritzenabtheilung ist.

An außerordentlichen Unterstützungen erhielt die Wehr 1887 von der Stadt Bochum 2000 Mk., 1898 von der Familie Mummenhoff 100 Mk., an sonstigen Schenkungen 792 Mk., anläßlich des Kösterschen Brandes von der Stadt Bochum 300 Mk. für die seit 1876 bestehende Kranken=Unterstützungskasse. Der in früheren Jahren bereits einmal eingegangene Esmarch-Samariterkursus ist seit 1902 unter Leitung des Herrn Dr. med Jans zur Ausbildung der Sanitätsmannschaft neugebildet worden; an dem Kursus betheiligen sich auch die Feuerwehr-leute der städtischen Brandwache.

Vierzig Jahre lang dient nun die Feuerwehr in Hülfsbereitschaft ihren Mitmenschen, vierzig Jahre hindurch hat sie den Ausbrüchen des entfesselten Elements mit Muth und Entschlossen Einhalt geboten. Weder Sturmgebraus noch Wettergraus haben die kernigen Wehrleute zurückgehalten, wenn Leben und Gesundheit des Nächsten in Gefahr waren, wenn Hab und Gut des Bürgers ein Raub der Flammen zu werden drohten. Mit uns hoffen und wünschen alle Bewohner der Stadt, daß die Bochumer Freiwillige Feuerwehr noch lange in Segen fortwirke: “Gott zur Ehr`, dem Nächsten zur Wehr.”

Das nun anhebende Fest soll, wie wir schon sagten, neben ernster Arbeit dem Frohsinn gewidmet sein. Es wird auch dazu dienen, das Band treuer Kameradschaftlichkeit, das alle Wehrleute umschlingt, noch fester zu knüpfen. Der Bochumer Wehr werden die praktischen Übungen am Steigerthurm und auf dem Schützenhof Gelegenheit geben, aufs Neue darzuthun, daß sie ihrer Aufgabe voll und ganz gewachsen ist. Den westfälischen Landsleuten, die als Gäste bei uns Einkehr halten, wünschen wir nochmals ein herzliches Willkommen und dem Feste einen schönen und würdigen Verlauf.

 

Willkommen in unserer Vaterstadt,

Willkommen, Ihr wackeren Wehren!

Ihr Männer der Kraft und der muthigen That,

Euch wollen wir allezeit ehren,

Die ihr freudig das Leben zum Opfer bringt

Wenn das Feuerhorn gellend die Nacht durchdringt,

Willkommen, ihr wackeren Wehren!

Wild brauset der Sturm in die prasselnde Gluth

Zum Himmel steigen die Flammen.

Schier unbezähmbar raset des Feuers Wuth,

Es stürzen die Pfosten zusammen.

Doch da kommt die Wehr, und im Augenblick

Weicht das wüthende Element zurück.

Habt Dank, ihr furchtlosen Männer

Willkommen, Ihr Helden, Euch bringen wir dar

Die Ehre, die Euch gebühret.

Ihr schreckt nicht zurück vor Tod und Gefahr,

Da die Nächstenliebe euch führet.

Ihr streitet ja nicht um gleissendes Gold,

Der Dank der Bedrängten ist Euer Sold.

Willkommen, Ihr braven Helden!

Doch nach schwerer Arbeit geziemt es sich wohl,

Der Lust und dem Frohsinn zu leben.

So ist`s auch uns Bochumern heute Parol`,

Euch fröhliche Stunden zu geben.

Damit ihr mit Freuden noch an uns denkt,

Wenn längst Ihr heimwärts die Schritte gelenkt.

Drum abermals: Herzlich Willkommen!

 

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